Auswandern & Leben auf den Philippinen

5 Jahre im Wunderland Philippinen (Teil 1)

von Jo zuauleck, Insel Siquijor, Philippinen

Nicht nur bei W. Busch - auch bei uns vergeht die Zeit im Sauseschritt. Die Bautätigkeit hat sich nunmehro erledigt. Es beginnen die Reparaturen. Im Wunderland schafft ein gelöstes Problem zahlreiche neue.

Der Zahn der Zeit und der des Klimas sorgen dafür, daß sich des Menschen Werk ohne ständige Wartung, Pflege, Reparatur, ja  -  Hingabe  -   einer nur sehr kurzen Halbwertszeit erfreut.

Wandanstriche jeglicher Art, lackierte Metallgegenstände aus Stahl oder Eisen,  PC - Mutterbretter und RAM Speicher sowie andere elektronische Geräte, die keinem Industrie - oder gar Militärstandard unterliegen, sind nur allzuschnell unbrauchbar, und müssen nachbearbeitet repariert oder ausgetauscht werden. Das alles kostet viel Geld.

CD`s halten wenn’s gut geht 5 Jahre. Was länger hält ist ein Geschenk.

Selbst Plastikgegenstände die woanders ewig halten, zerbröseln nach einiger Zeit oder werden  unansehnlich, wenn sie nicht mit dicken Lackschichten, die auch nicht ewig halten, geschützt werden. Meine Theorie ist, daß nicht allein der Salz - und Feuchtegehalt der Luft, sondern auch ihr hoher Ozongehalt in Meeresnähe, sowie  Bakterien und Pilze dafür verantwortlich sind. Es ist wirklich zum Wahnsinnigwerden. Das ist der Preis der Freiheit.

Viele teure, importierte Gewürze verschimmeln schnell. Wer z. B. auf Paprika oder so exotische Sachen wie indische Gewürzmischungen wert legt, der sollte das Zeug im Tiefkühlfach aufbewahren. Wenn nicht dann kann man den kostbaren Stoff nach wenigen Monaten vergessen.

Die große geerbte, bavarische Familienkaffeekanne muß überaus vorsichtig behandelt werden,
denn es gibt auf den Philippinen keinen Ersatz für große Kaffeekannen, wenngleich die Größe der Familien eine solche sinnvoll erscheinen lassen. Nein - im Wunderland kennen die meisten Menschen weder Bohnenkaffee noch losen Tee.

Es wird hier nahezu ausschließlich mit Sofortkaffee, der in anderen Ländern auf der roten Liste steht, und deshalb unverkäuflich ist, oder mit (wahrscheinlich) insektizidträchtigen Teebeuteln gearbeitet, so dass eine Kanne unnötig ist. Und deshalb belastet sich der Handel nicht mit derlei Unverkäuflichkeiten.

(Eß - )Kultur, Stil und Prinzipien sind nach meiner unmaßgeblichen Erkenntnis drei völlig unbekannte Begriffe in weiten Kreisen der Bevölkerung. Aber  -  und das darf man nicht aus dem Auge verlieren, nur für uns, die wir doch leider nicht ALLE unsere Befindlichkeiten und Sichtweisen vergessen oder aufgeben können. Und auch nicht sollen. Denn auch wir haben ja sehr wohl ein Anrecht auf unsere Identität.

Und so finden wir aus unserer Sicht Oberflächlichkeit, Eitelkeit, Geltungssucht, Angeberei und Lügen flächendeckend als erste Lebensmaxime der Pinoys vor, und man kann in teuren Restaurants die Neureichen stolz wie die Schneekönige die Rotweinflasche möglichst in Zeitlupe und publikumswirksam  inszeniert aus dem Eisgefüllten Sektkühler heben sehen. Wohl bekomm’s!
Pubertäre Jungens sind alles, was mir dazu einfällt…
Wenn dann der - sagen wir „außen stehende Beobachter“ -  ob des peinlichen Verhaltens einen Lachkrampf bekommt, dessen er sich einfach nicht enthalten kann, dann wird dieser sehr schief angesehen.

Wasserfall auf Siquijor, Philippinen
Wasserfall auf Siquijor, Philippinen

Schiefer als schief. Denn die neureichen Jungs ahnen - aber wissen nicht, daß man über SIE lacht, denn sie fühlen sich in ihrer Einfalt als etwas ganz Besonderes. Und das sind sie ja auch (!)
Viel  Geld hat nicht unbedingt etwas mit Format zu tun. RP ist also ein überaus witziges Land. Und lachen ist gesund…
Nur ein ernstes Wörtchen ob der Behandlung der im Haus - und wie immer  - Beschäftigten muß ich hier einflechten:
Um zu garantieren, daß die von uns ein - bzw. angestellten Kameraden oder Kameradinnen auch exakt das tun, wozu wir sie bezahlen, sind einige gutgemeinte Hinweise sicher ratsam.  
 
Ständige, ununterbrochene, gebetsmühlenartige Wiederholungen und Angst scheinen der einzige Weg zu sein, daß ein Pinoy das tut , was er tun soll. Prämien nicht, Orden nicht, Lob nicht - nein. Ständige Wiederholungen, nebst pausenloser Kontrolle und ANGST - das allein sorgt dafür, daß der Durchschnitts - Pinoy auch wirklich das tut, wofür er von uns sein Geld bekommt. Und das kann nerven!
Fürchterlich nerven. Denn oftmals braucht man für verbale Erklärungs- Exzesse länger, als die Sache gleich selber richtig zu machen. Und vielleicht ist das auch die Absicht unserer Gastgeber…Denn so dämlich wie es den Anschein hat, sind sie keineswegs, wenn es sich um den eigenen Vorteil dreht. Denn dann wundert sich der Außenstehende nicht immer aber immer öfter…

Ich könnte jetzt ein Buch über weitere Widrigkeiten schreiben. Aber damit wäre ich dem Wunderlande und seiner Insassen gegenüber unfair. Denn schließlich wussten wir vorher, worauf wir uns einlassen, und haben unser Schicksal freiwillig gewählt.
Und sind immer noch hier.

Ergo kann es so schlimm nicht sein! Nicht nur nicht schlimm, sondern überaus empfehlenswert ist das Leben hier, wenn man unverbissen ist und verzichten kann!Aber natürlich auch im Notfall knallhart konsequent , und nichts aber auch gar nichts durchgehen läßt. Denn tut man das einmal, dann hat man
beim nächsten harten Durchgreifen riesige Probleme, weil die eigene Wankelmütigkeit nicht mehr verstanden wird. Pinoys werten Großzügigkeit und/oder Toleranz leider oft als Schwäche. Und man hat es meistens mit einer Art „erwachsener“ Kinder zu tun, und deshalb ist die richtige „Erziehung“ mit strengster Konsequenz oberstes Gebot. Kein Hund würde die Inkonsequenz seines Herrchens verstehen. Das Resultat wären sich verschärfende Lernschwierigkeiten, Ungehorsam und am Ende das Tierheim.

Das ist sicher schwer zu vergleichen, aber mir fällt hier nix anderes ein…
Einen Teil der herkunftsrelevanten Befindlichkeiten sollte man aber trotzdem möglichst schon bei der Einreise vom Zoll versiegeln lassen. Mehr oder weniger…Man muß nicht fünfe gerade sein lassen. Aber drei sind auf jeden Fall eine gesundheitserhaltende Zahl.
Nur ist das ehrlich gesagt siehe oben leichter gesagt als getan... weiterlesen