Auswandern & Leben auf den Philippinen

Ein Jahr im Wunderland (2005) - Technisches und Menschliches

Die Zeit rast. Ein Jahr ist vorbei, vieles hat sich getan. Neue Sichtweisen lassen tief blicken. Die Technik und der Geist haben die Natur (teilweise) besiegt. Die menschliche Seite wurde durchschaubarer. Die Wasserversorgung in unserer „Sahel“zone ist mittels 36m³ großem Regenwassertank ein für allemal gelöst.

Trotz El Ninjo, der uns flächendeckende Trockenheit allüberall bescherte, sind wir bestens versorgt und genießen „Wasser aus Wand“, wenngleich auch der Aufwand jeder Beschreibung spottet. Aber Unabhängigkeit hat eben seinen Preis!

Wir arbeiten mit drei Pumpen. Die Hauptversorgung läuft über (Schwerkraft-) Hochtank, der in das Dach der Werkstatt eingebaut ist. Gespeist über 230 Volt-Tauchpumpe und parallel dazu - wegen den zahlreichen Stromausfälle - mit 12 Volt-Pumpe von „Flojet Quad“ aus dem Marinebereich. Die 12 Volt für die Flojet kommen vom mitgebrachten 65 Watt Solarpanel von unserem ehemaligen Wohnauto. Daneben gibt es noch eine Druckpumpe „Grundfoss Jetpaq“ mit eingebautem Drehzahlregler. Sie regelt die Pumpendrehzahl entsprechend der Abnahme, braucht aber bei voller Leistung ca.950 Watt, was bei den hiesigen Strompreisen von 27 Pfennig /kWh ein teurer Spaß ist.

Die Trinkwassergewinnung läuft über eine Filterbatterie und die Waschmaschine heißt nun nicht mehr „ROSI“ sondern „Sharp“. Die Trennung von Hoch-und Niederdruck erfolgt über ein Rückschlagventil, welches bei Druckpumpenbetrieb den Ausgang des Hochtanks sperrt, so daß das Wasser ins Haus fließen muß und nicht quasi rückwärts fließend den Hochtank zum Überlaufen bringt.

Wird die Druckpumpe abgeschaltet, dann sinkt der Systemdruck und das Rückschlagventil öffnet die Verbindung vom Hochtank zur Hauptleitung ins Haus.
Das Abwasser (Grauwasser) von Dusche und Waschbecken wird nicht etwa weggeschüttet, sondern in einem 3m² Extratank aufgefangen und dient mittels ferngesteuerter Pumpe der Bewässerung von Bäumen und ausgewählter Pflanzen. So leben wir auch in der ärgsten Trockenzeit in einer Art Oase, wo allüberall in der Nachbarschaft eitel Trockenheit, um nicht zu sagen Dürre, herrscht.

Sie sind also nicht erbaut darüber, wenn wir in der ärgsten Trockenheit unseren Rasen sprengen. Denn sie wissen ja nicht, daß das nur Grauwasser ist. Und so kam was kommen mußte: Unsere drei Aus-und Einfahrten haben uns unsere „lieben“ Nachbarn inzwischen eine nach der anderen gesperrt. 8 Jahre bevor wir zu bauen anfingen, haben wir uns bereits mit dem Eigentümer und einem Rechtsanwalt zusammengesetzt und einen Vertrag gemacht. Also uns das „Right of way“ vertraglich zusichern lassen, um eben keine Probleme mit der Zu-und Abfahrt zu haben.

Der Gag daran war, daß der Verkäufer, der uns für einen dieser Wege Wegerecht gab, gar nicht der Eigentümer des ganzen Weges war. 50 m davon gehörte jemand anderem. Ein kleines Stück nur und diese kleine Stück wurde natürlich gnadenlos gesperrt. Von den lieben Nachbarn. Klar, wir waren in dieser Zeit noch Greenhörner aber zumindest der Rechtsanwalt hätte es nicht sein dürfen und hätte die Sache erst kontrollieren müssen, bevor er den Vertrag unterschreibt… und nur Don Quijote hätte es auf einen Rechtsstreit mit ihm ankommen lassen.

Jedenfalls waren wir nun sowohl aus- wie eingesperrt. Das nämlich ist die Kehrseite eines Wassergrundstücks fernab von der Hauptstraße, so schön z.B. die Ruhe und die relative Ungestörtheit auch sein mögen. Und so lernt man seine Pappenheimer kennen. Wir waren also gezwungen, eine neue Straße zu bauen. Und mit Landkauf, Material und manpower.... verschlang unsere neue Straße den Pappenstiel von insgesamt ca.5000 Mark. Und wir können noch froh sein, daß sich ein Landverkäufer als Rettungsengel fand. Ich kann nämlich diese häßlichen Helikopter nicht leiden.

Nun jedoch können auch mittelgroße LKW`s unser Grundstück erreichen und die immer noch zahlreichen Lieferungen brauchen nicht mehr mühsam getragen zu werden. Die Straße war sowieso irgendwann fällig, da diese geduldeten Zufahrten durch Feindesland, ohne Wegerecht, nicht breiter als 2 m waren.

Unsere Location war und ist eigentlich immer noch eines der überdurchschnittlich unterentwickelten Gebiete der Insel, wo bis auf die wenigen Ausländer nur Fischer wohnen, deren Einkommen sich lediglich im marginalen Rahmen bewegt. Und so frönen die Kameraden als einziger Kultur der Neidkultur, deren Auswirkung wir voll zu spüren bekamen.

Schon allein daß unser Licht auch bei brownout (ohne Generatorgeknatter) nicht ausgeht, treibt die lieben Nachbarn auf die zahlreich vorhandenen Palmen. Es ging sogar das Gerücht um, daß diese elenden Ausländer unfairerweise eine brownoutfreie(!) Spezialstromleitung quasi „direkt von der Quelle“ haben, wie sie bei Krankenhäusern oder Tankstellen üblich ist. Daß wir eine Unsumme ausgegeben haben, um wenigstens unseren Kühlschrank und ein Drittel Beleuchtung netzunabhängig zu gestalten, das will weder jemand (von den lieben Nachbarn) hören noch wissen.

Für Interessierte: Wir arbeiten mit einer 48 Volt Anlage, deren Kernstück local made sogenante “deep cycle“ Batterien sind. (4 Motolite Solarmaster 100 Ah zum Preis von 3600 Peso ONLY pro Stück-). Diese Batterien werden, solange das Netz arbeitet, vom speziell dafür entworfenen Ladegerät geladen. Bei Stromausfall übernimmt ein Sinuswellen-Inverter, der aus der Batteriespannung Netzspannung macht, unterbrechungsfrei die weitere Versorgung.

Und hier sind wir gleich bei den kleinen Katastrophen, die das Leben in den Tropen nun mal mit sich bringt. Die Reparaturen. DENN: RP-Land ist RePair-Land. Es geht nahezu jeden Tag was kaputt. Ich habe ein inzwischen ein Vermögen für Reparaturen ausgegeben und fast jeden Tag einige Zeit damit verbracht, die ganzen defekten Sachen wieder zu reanimieren, soweit mir das möglich war und ist.

Zu Anfang hat das sogar noch Spaß gemacht, es war quasi eine Herausforderung an den Erfindergeist... Aber da das immer so weiterging und geht, fängt es langsam aber sicher an zu nerven. Dermaßen an zu nerven!!! Zuerst haben wir mit einer UPS (Uninterruptable Power Supply) von APC aus „Gods Own Country“ gelebt. 2200 Watt. Mittels Balikbayanbox wie alles andere auch, mit hohen Kosten hierher verfrachtet. Jedoch ist das Ding den emsigen Emsen (Ameisen) und der Hitze - dem Hauptproblem - zum Opfer gefallen. Fixing unmöglich; selbst in Manila. Also Schrott, wenngleich teurer!

Das zweite Gerät kam aus Taiwan, auch kaputt. Das Ding habe ich für mehr als zweitausend Peso (only) als Postpaket zur Reparatur zum Hersteller nach Taipeh geschickt- und man glaubt es kaum - repariert wiederbekommen.

Das dritte (3000 Mark ) Gerät aus Switzerland (XP1648 von Studer) läuft noch aber wie lange?? Das allein weiß nur der Abendwind... Mein mitgebrachtes Onkyo-Multispektakel-Radio mit Dolby Surround, was für den Sound der geliehenen Video CD`s und DVD`s ganz nett war - kaputt!! Der Hauptverstärker läuft noch aber die Dolby Karte - kaputt! Ich habe an ONKYO nach Japan geschrieben und oh Wunder - sie haben mir eine Branch in Manila benannt. Inzwischen haben wir es repariert zurückbekommen, nachdem ich das Ding selbstpersönlich dort bezahlt und abgeholt habe. Denn mit den weltweit unkomplizierten Überweisungen tun sich die hiesigen Banken sehr schwer!!! (weiterlesen)
Jo Zaulek, Siquijor, Philippinen