Auswandern & Leben auf den Philippinen

Freiheit durch Verzicht oder 5 Monate im Wunderland

... eine Art Bericht von Jo Zauleck, Insel Siquijor, Philippinen

Arbeit gekündigt, Wohnung gekündigt. Innerlich schon lange gekündigt. Nix wie weg hier… Nachdem wir glücklich dem staatlich verordneten Diebstahl durch €uro,T€uro und St€uro entronnen sind, zieht uns im Moment NIX und wieder nix nach D-Land zurück.

Nie werde ich verstehen,wie jemand es länger als irgend nötig und keinen Tag länger unter derartigen Bedingungen aushalten kann. Ich spreche vom Nachwende-Berlin mit seinen Infiltrations- und sonstigen Problemen als Frontstadt.

Vorbei!!! Gottseisgedankt, getrommelt und gepfiffen!!! Unser Einzimmerhaus das eher eine Laube ist, kann den Inhalt unserer 30 Balikbayan Boxen nicht fassen und es sieht aus wie in einem Warenlager. Was wir hier machen ist eine Art Dauercamping auf höherer Ebene, da das Erdgeschoß, wie alles hier, noch nicht fertig ist. Es kann Jahre dauern.

Noch 13 Jahre bis zur Rente… Es ist Oktober,wir sitzen auf der Nordwestseite des Balkons, der das Wohnzimmer ist, ca.20 m über dem Meer, dessen Temperatur gesunde 28 Grad beträgt. Ziemlich kühl. Panoramablick mit mehr als 180 Grad auf Bohol, Negros und Cebu.

An dessen Küste verschwindet gerade die riesige Superferry langsam hinter der Erdkrümmung. Fernsicht statt Fernsehen. Das tut den monitorgebeutelten Augen wohl!

Fernsehen wäre mit Antenne und Computer (NTSC Karte) möglich. Allein der Inhalt der werbedurchseuchten Programme ist dermaßen grauenhaft, daß mir der Strom zu schade ist. Für Kinder gehört so was verboten.

Das Zeissglas auf dem Tisch zeigt erste Gebrauchsspuren um nicht zu sagen Abnutzungserscheinungen. Schulen von Delphinen tummeln sich in ca.600m, alles bequem vom Liegestuhl aus zu beobachten. It`s not a trick-it`s Wunderland!

Unser Garten auf Siquijor, Philippiinen
Blick in unseren Garten auf Siquijor

Ein kühler Wind weht angenehm erfrischend. An die Hitze gewöhnt man sich schnell und z.B. stürmische 26 Grad lassen uns nach Sweatshirt und Trainingshose Ausschau halten.

Wir sind in Wunderland. Unser 6 jähriges Töchterlein spielt im Garten mit einem Rudel Nachbarskindern. Aufgeregt in Visaya einherplappernd, laut schreiend und lachend. (In Berlin hätte es Klagen wegen Ruhestörung gehagelt).

Unsere beiden Hunde rennen mit allen zusammen durch unsere farbstrotzenden Blumenbeete…Ohne Hundesteuermarke - einfach so…

In D-Land waren sie in einer überteuerten Mietswohnung in einer Charlottenburger Mietskaserne eingesperrt. Kontakte zu Nachbarn gab es sogut wie keine. Zäune haben wir im Moment noch nicht.Sie sind hier solange man keinen Streß mit den Nachbarn hat nicht nötig.

Diese wiederum helfen uns dabei,unsere Grundstücke sauberzuhalten, waschen die Wäsche und besorgen Wasser, solange die eigene Versorgung noch nicht fertig ist. Diese wird aus einem Regenwassertank mit 36 m³ bestehen, der mittels unseres Daches aufgefüllt wird, sofern es denn mal regnet.

Bis jetzt hat es überall geregnet, nur nicht bei uns. Wir haben die meisten Sonnenstunden der ganzen Insel. Ein Scherzbold würde sagen: der Regen ignoriert uns gar nicht…Es ist wie verhext.

Verhext scheint hier auf der Hexeninsel manches zu sein. Der Aberglaube und die Bigotterie sind beispiellos. Unabhängigkeit (in D-Land Ketzerei, weil dann nicht mehr verdient werden kann) ist das A und O als Insulaner, denn auch die zahlreichen Stromausfälle bei aberwitzigen 24 Pfennigen pro kWh müssen gemeistert werden, was aber mittels 4 Stück 12 Volt local made! Spezialbatterien (Motolite Solarmaster 100 Ah) und 1,5 kW USV Anlage kein Problem für uns ist.

Der Generator knattert nur noch sehr selten. Die nächsten Projekte dieser Art sind eine 900 Watt Windgeneratoranlage,damit Licht und Kühlschrank von künftigen Strompreiserhöhungen verschont bleiben und weil’s Spaß macht!

Denn letztendlich spart man rein garnix, wenn man nur die reinen Geräte-und Transportkosten (USA-D-Land-RP-Land) mal zusammenrechnet und weiterhin eine Filterbatterie, so daß wir unser Regenwasser auch trinken können und kein Trinkwasser mehr zukaufen müssen.

Wir kaufen natürlich nicht etwa überflüssige (und das bei Wasser…) Produkte wie etwa „aqua pure“ oder ähnliches. Nein-unser Trinkwasser kommt im Moment noch aus einer Bergquelle und die Kosten sind die reinen Transportkosten und die bekommt ein Local bezahlt und sonst niemand.

Auf unserer Insel gibt es keine Industrie und wenn man von den leider allgegenwärtigen Septic tanks in denen die Jauche versickert, sowie von den leider allgegenwärtigen Produkten von Nestlè und Coca Cola einmal absieht, auch keine (genmanipulierte) Umweltverschmutzung. Kein Mc Donalds, (noch) kein Jolly-Bee- nix dergleichen.

Strand auf Siquijor, Philippinen
Strand auf Siquijor, Philippinen

Das Gemüse und das Obst klein aber lecker, ungespritzt, unversaut, die Gene da wo sie sein sollen(!). Kein Vergleich mit germanischer Allergiekost.

Das Fleisch schmeckt ebenfalls lecker, keine Hormone, keine Medikamente, kein Wasser, kein Farbstoff, auch hier die Gene im Normalzustand.

Das alles wird sich in nächster Zeit aber ändern, denn auch hier bleibt die Zeit nicht stehen. Und der größte Genmanipulator neben Monsanto hat den Fuß nicht nur in der Tür. Nestlè steht bereits mitten in der Küche.

Zumindest in den meisten philippinischen. Denn die Leichtgläubigkeit, die aus mangelnder Schulbildung resultiert, macht es für derartig massive Nahrungs-und damit Umweltverschmutzer leicht, mittels Fernsehwerbung ihren Schmutz als Fortschritt und Moderne zu verkaufen.

Satellitenfernsehen kann man als bezahl Fernsehen für ca. 15 Euro pro Monat abonnieren. Dream heißt das System. In der Tat traumhaft, da ohne Konkurrenz. Traumhaft teuer demzufolge mit über 180 € Abokosten pro Jahr plus Gerätekosten.

Damit kann man unter anderem BBC, National Geographic- und Discovery Channel betrachten. Nicht schlecht auf den ersten Blick. Diese drei sind aber nicht separat zum Preise von dreien, sondern nur im teuren Paket mit geistigem Durchfall zu abbonnieren.

Das geht also nicht. Aber wir haben ja besagte Fernsicht und darüber hinaus genug Adventures und Entdeckungen live. Da braucht es keine Zeitvernichtungsmaschine, für die man obendrein noch zahlen muß.Vielleicht mal als Rentner…und dann auch nur mit Konkurrenzanbietern. Oder gleich im Internet. Nur was das ist, das weiß hier im Moment noch kein Mensch.

Ja abenteuerlich ist es hier wirklich, da dieses unser Land alles ist, nur nicht berechenbar. Eben in einem wichtigen Büro noch von einem gewaltigen Amtsvorsteher abgewiesen, da sein Büro genau in dem Augenblick Mittagspause hat, wenn man erscheint.

Doch schon im nächsten Augenblick ein Männlein da, fragt nach dem Begehren und erledigt das, was bei anderen ein ganzes Tagwerk war, mit vielen Unterschriften, Beglaubigungen, Beweisen, Autorisierungen und Legalisierungen, Übersetzungen der Botschaft in Manila, Fotos und beglaubigten Kopien von Großmamas Taufurkunde, Konfirmationsschein, Schuhgröße und weiß ich was sonst noch alles…

im Handumdrehen. Trotz Mittagspause, die hier wie überall heilig ist. Weiterlesen...